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Heimcomputer, Konsolen & Handhelds

 

Es mag wohl kaum einer glauben, doch die eigentliche Geburtsstunde der digitalen Spiele liegt Ende der 50er-Jahre. Zu dieser Zeit waren die amerikanischen Universitäten die ersten Einrichtungen, die es jungen Akademikern und Technik-Enthusiasten erlaubten, mit dem neuen Medium Computer zu experimentieren. Der Student Steve Russel entwickelte in dieser Pionierzeit mit „Spacewar!“ 1961 das erste Computerspiel. Allerdings waren diese ersten Gehversuche lediglich einem kleinen Publikum zugänglich, da diese lediglich auf den teuren Universitätscomputern liefen.

 

Der kleine „Klempner mit dem Schnauzbart“ – er ist ein Klassiker

 

Als die ersten Computer und Spielekonsolen aufkamen, hätte sich niemand erträumen lassen, dass immer wieder Videospiele für Rekordsummen in Millionenhöhe versteigert werden. Erst Anfang Juli 2021 wurde ein neuer Rekord erstellt, als eine originalverpackte Kopie von Super Mario 64 aus dem Jahr 1996 für sagenhaften 1,56 Mio. US-Dollar versteigert wurde. Erst zuvor wechselte eine originalverpackte Kopie des Spiels „The Legend of Zelda“ nach Angaben des Auktionshauses eine Rekordsumme von 870.000 US-Dollar.

 

In der Pressemitteilung zum Verkauf der Super-Mario Kopie hieß es, dass der kulturelle Stellenwert dieses Titels und seine Bedeutung für die Geschichte der Videospiele überragend sei.

 

Das Auktionshaus hatte in 2020 vergleichbare Spiele aus der Super-Mario-Reihe versteigert, wobei die Kopien für 156.000 und 114.000 US-Dollar versteigert wurden.

 

Die meist verkauften Videospiele

 

Das meistverkaufte Videospiel ist „Minecraft“ mit 200 Millionen Verkäufen. Ursprünglich wurde das Spiel von dem schwedischen Studio Mojang entwickelt und ist mittlerweile in Besitz von Microsoft. Mit 145 Mio. Verkäufen kommt „Grand Theft Auto V“ auf den zweiten Platz, während das puzzleähnliche Videospiel „Tetris“ auf dem dritten Platz folgt.

 

Interessant ist der Fakt, dass die erste spielbare Version von Tetris bereits 1984 in der damaligen Sowjetunion entwickelt wurde. Bis 1987 dauerte es, bis das Spiel als Version für den IBM-PC in den USA auf den Markt kam. Doch erst durch die Zusammenarbeit mit Nintendo schaffte das Spiel den Durchbruch. Im Jahr 1989 veröffentlichtes das japanische Unternehmen Tetris zusammen mit dem Handheld-Spielekonsole Game Boy und wurde damit auf einen Schlag berühmt.

 

Die Ära der Computer- und Videospiele

 

Mit den beiden Gründungsväter Ralph Baer – von ihm wurde mit der Magnavox Odyssey die erste Konsole entwickelt – und Atari-Gründer Nolan Bushnell – er folgte 1972 mit dem Videotennis „Pong“ – wurde die eigentliche Ära der Computer- und Videospiele eröffnet. Bereits Anfang der 1970er-Jahre wurden die Konsolen bereits regelmäßig mit entsprechender Spiele-Software versorgt.

 

Als das Goldene Zeitalter der Videospiele galten die Jahre ab Mitte der 70er bis 1982. In dieser Zeit erblickten viele heute kultisch verehrte Spielhallen-Klassiker wie „Space Invaders“ und „Asteriods“ von Atari das Licht der Welt in den Arcade-Automaten. Diese erfuhren später die Umsetzung auf die aktuelle Generation der Heimkonsolen. In dieser Zeit handelt es sich bei „Intellivision von Mattel“, der „CBS ColecoVision“ und der legendären „Atari VCS 2600“ um die beliebtesten Konsolen.

 

In den USA wuchs die noch junge Branche ungebremst und konnte ein Rekordergebnis nach dem anderen verzeichnen. Viele Unternehmen produzierten geblendet von der positiven Marktentwicklung zu große Stückzahlen qualitativ minderwertiger Software, von der die Lager gefüllt, aber von keinem gekauft wurden. Viele Software-Hersteller und Konsolenhersteller gingen durch die ausbleibenden Absätze in die Insolvenz. 1983 führte diese Entwicklung zu einem großen Crash der nord-amerikanischen Spielebranche, dessen Folge eine Bereinigung des Marktes war. Allerdings stand die neue Generation der digitalen Spiele bereits in den Startlöchern.

 

Heimcomputer und die Japaner erobern den Weltmarkt

 

Die Stunde der japanischen Videohersteller Nintendo und Sega schlug 1984, da sie aufgrund der vorangegangenen Krise auf dem US-Markt tätig werden konnte. Etliche US-amerikanische Unternehmen wagten durch den Erfolg der beiden Unternehmen einen Neustart. So verkauften Commodore und Atari ab 1985 erfolgreich Heimcomputer, wie den Atari ST oder den Commodore Amiga.

 

Zum ersten Mal fand eine Ausdifferenzierung des Marktes statt. So standen auf der einen Seite die Konsolenhersteller Nintendo und Sega, die mit Spielfiguren wie „Super Mario“ und „Sonig the Hedgehog“ in das pop-kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft einzogen und sich einen unnachgiebigen Konkurrenzkampf um die Gunst der Spieler lieferten. Die Computerhersteller standen auf der anderen Seite, bei denen es immer wieder zu einer Bereinigung kam, aufgrund der sich ständig weiterentwickelnden und ausbaufähigen Hardware sowie den Grenzen des technisch machbaren.

 

Für die Spieler gab es zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Computer und Konsolen noch keine großen Unterschiede, denn viele der Geräte eigneten sich zum Spielen und für Heimanwendungen. Eine Konsole konnte durchaus mit diversen Erweiterungen wie bspw. Kassetten- und Diskettenlaufwerken zum kleinen Heimcomputer umgewandelt werden. Allerdings richtete die neue Konkurrenz aus Japan ihre Konsolen auf das reine Spiel aus, womit die Abspaltung zu den Heimcomputern immer größer wurde. Gaming sollte jedoch mit Vorsicht genossen werden – die Anzahl an spielsüchtiger Kinder steigt.

 

Videospiele – sie haben nichts an ihrer Anziehungskraft verloren

 

Der Weg der Heimcomputer und Spielekonsolen war lang und es wird weitergehen, da die Technik nicht stehen bleibt. Heute gibt es Virtual Reality, mobile Games, eSports und Indies. Um es auf den Punkt zu bringen: Heute gestaltet sich der Markt der digitalen Spiele ausdifferenzierter und diversifizierter denn je. Menschen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen haben Spaß am Spiel, egal ob auf der Konsole, dem PC oder unterwegs auf Smartphone bzw. Tablet. Sei es in der Mittagspause, im heimischen Wohnzimmer, auf Reisen oder um sich die Wartezeit zu verkürzen – gespielt wird heute immer und überall – jedoch auf mehr verschiedenen Arten und Weisen, als sich die Gründer und Pioniere jemals erträumen konnten.